Landwirtschaft im Wandel der Zeit 

von der manuellen zur maschinellen arbeitsweise

23. Juli - 24. September 2000

Ausstellungseröffnung mit Oldtimer-Traktoren der Oldtimer-Freunde Ottersheim am 23.7.2000.  (Leider waren die Batterien unserer Digital-Kamera etwas schwach, so dass die Aufnahme sehr schlecht ist. Wir bemühen uns um eine bessere Aufnahme - bis dahin bitten wir um etwas Geduld)

Exponate zum Thema Weinbau

Im Hintergrund Steinbeile und -hacken (ca. 5000 v. Chr.), vorne die Nachfolger in Metall, nach dessen Entdeckung (ca. 2000 v. Chr.)

Die Texte der Ausstellung

(eine Zeitreise durch die Entwicklung der Landwirtschaft)

Die Entstehung der landwirtschaftlichen Lebensweise

In unserer Region, wie in ganz Mitteleuropa, waren die Menschen bis zum Beginn der Jungsteinzeit (etwa 5.000 v. Chr.) nicht sesshafte Jäger und Sammler.

Diese Art der Nahrungssammlung wurde danach allmählich durch Pflanzenanbau und Tierhaltung, also einer „produzierenden" Wirtschaftsweise abgelöst.

Dieses Aufkommen der neolithischen, bäuerlichen Lebensweise kann als eine der bedeutendsten Neuerungen in der gesamten Menschheitsgeschichte angesehen werden. Dauerhafte Sesshaftigkeit wurde erst durch die kontrollierte Züchtung von Pflanzen und Tieren ermöglicht.

Bereits in der frühen Jungsteinzeit ließ die Landwirtschaft die Bevölkerungszahl sprunghaft ansteigen. In der großen Zeit der eiszeitlichen Jäger waren es noch (geschätzte) 0,02 Personen/km², in der Blütezeit der bandkeramischen Kultur, der ältesten vollbäuerlichen Kultur Zentraleuropas 1,5 Personen/km². In den fruchtbaren Lößgebieten der Rheinebene gar 17 Bewohner/km² ( = mehr als die Hälfte der Menschenzahl, die für das ausgehende Mittelalter auf einen km² landwirtschaftlicher Nutzfläche geschätzt wird).

Die arbeitsintensive agrarische Produktionsweise brauchte viele Hände, was eine hohe Kinderzahl in der bäuerlichen Gesellschaft bedingte.

Die Ausbreitung der bäuerlichen Wirtschaftsweise in Europa hat ihren Ausgangspunkt in Vorderasien (heutiges Syrien, Libanon, Israel, südöstliche Türkei und nördlicher Irak). Dort begann der Domestikationsprozess bereits um 10.000 – 9.000 v. Chr. Von hier aus breitete sich die neue Lebensweise in den folgenden Jahrtausenden über Kleinasien nach Südosteuropa, das Mittelmeergebiet und schließlich nach Mittel- und Nordeuropa aus.

In der Pfalz und nach Südwestdeutschland gelangte die bäuerliche Wirtschaftsform auch aus dem Mittelmeerraum (6.500 v. Chr. an der nördlichen Adria, in Südfrankreich, Schweiz und zentraler Alpenraum).

Die ältesten Ackerbauern Mitteleuropas können ab Mitte des 6. Jahrtausends v: Chr. in der linienbandkeramischen Kultur identifiziert werden.

 

Rodung von Waldflächen zur Gewinnung von Ackerland

Zur Zeit der Linienbandkeramik herrschte in Mitteleuropa ein wärmeres (ca. 2° C höherer Jahresdurchschnitt) und feuchteres Klima als heute.

Die natürliche Vegetation wurde von Wäldern dominiert. Um Pflanzenanbau betreiben zu können, mussten die Menschen also zunächst Wald roden und freie Flächen schaffen.

Für die Anlage ihrer Siedlungen wählten sie dabei durchweg Standorte mit mild-warmen Mikroklima und tiefgründigem, lockerem Schwarzerdeboden, wie sie sich vorwiegend auf Lößuntergrund bilden. Feuchtgebiete wurden nicht besiedelt.

Thomas Link aus „Krieg oder Frieden?" Annemarie Häußer 1998 / Dr. Lothar Sperber, Hist. Museum der Pfalz, Speyer

 

Ackerbau in der Jungsteinzeit

Die angebauten Getreidesorten waren vor allem Emmer (Triticum dicoccum) und Einkorn (Triticum monococcum).

Nackt- und Spelzgerste (Hordeum vulgare) wurde in deutlich geringerem Umfang genutzt. In einigen Regionen der Bandkeramik konnte daneben der Anbau von Dinkel bzw. Spelz (Triticum spelta) nachgewiesen werden.

An Hülsenfrüchten kamen Erbse (Pisum satvivum) und Linse (Lens culinaris) zum Einsatz. Daneben hatten Lein bzw. Flachs (Linum usitatissinum) und Mohn (Papaver somniferum) als Öl- und Fettpflanzen eine gewisse Bedeutung.

Neben diesen Kulturpflanzen wurde eine ganze Reihe von wildwachsenden Pflanzen, wie Wildapfel (Malus sylvestris), Schlehe (Prunus spinosa), Walderdbeere (Fragia vesca), Kornelkirsche (Cornus mas) und Haselnuss (Corylus avellana) gesammelt.

Mit der Nutzung weiterer, archäologisch nicht nachweisbarer Pflanzen, wie z. B. Blatt- oder Wurzelgemüse, muss daneben ebenfalls gerechnet werden.

Es wird angenommen, dass der Anbau – nicht wie in moderneren Zeiten – auf großen, freien Ackerflächen, sondern vielmehr auf kleinen, von Wald und Buschwerk dicht umgebenen Feldern stattfand.

Bei der Getreide-Ernte wurden wahrscheinlich nur die oberen Teile der Getreidehalme abgetrennt. Die stehen gebliebenen Halme dienten möglicherweise als Viehweide oder wurden in einem zweiten Ernteschritt als Baumaterial, z. B. für die Dachbedeckung der Häuser genutzt.

Über die Art der Bodenbearbeitung vor der Aussaat ist nur wenig bekannt. Die ältesten Funde von Hakenpflügen stammen aus einer bedeutend späteren Zeit als der Bandkeramik. Ob diese verwendet wurden oder ob die Aufbereitung der Ackerkrume noch mit von Hand geführten, nur flache Saatrillen erzeugenden Furchenstöcken bzw. Handhaken oder aus Geweih gefertigten Hacken geschah ist unklar.

Thomas Link aus „Krieg oder Frieden?" Annemarie Häußer 1998

 

Die Viehhaltung in der Bandkeramik

Das wichtigste Nutztier der Bandkeramiker war das Rind, bekannt waren außerdem Schaf, Ziege, Schwein und Hund. Neben der Viehzucht war die Jagd – wenn auch mit weit geringerer Bedeutung – in das kulturelle Gefüge integriert.

Neben der vielfältigen Nutzung von Fellen, welche mit Sicherheit auch zu Leder weiterverarbeitet wurden, dienten etwa die Metapodien (Mittelfußknochen) – vor allem der Rehe – zur Herstellung von Knochenpfriemen.

Von den domestizierten, d. h. seit mehreren Generationen in Gefangenschaft lebenden Tieren, ist der Hund das älteste. Als Fleischfresser dürften Hunde nur in Krisenzeiten als Nahrungsmittel gedient haben. Wie heute auch, hat der Hund vor allem als Jagdhelfer und Viehhüter seine Funktion erfüllt.

Schaf und Ziege sind schon zu Zeiten der Jäger- und Sammlerkulturen als Nutztiere belegt. Mit dem Wechsel zum produzierenden Ackerbau lösten das Rind und das Schwein diese als wichtigste Nutztiere ab.

Die Tiere wurden höchstwahrscheinlich alleine als Nahrungsmittel genutzt. Die Milchnutzung bei den Rindern wird weitgehend ausgeschlossen. Lediglich die vielfältige Verwendung von Fell (für Kleidung und Leder), Knochen (Geräte), Sehnen (z. B. Bogensehnen) und anderen Materialien war bedeutend.

Die Nutztiere sind vermutlich das ganze Jahr über außerhalb der Behausungen gehalten worden. Stallungen waren höchstwahrscheinlich nicht vorhanden. Das warme Klima des Atlantikums (Klimaphase zur Zeit der Bandkeramik) ermöglichte wohl eine ganzjährige Weidung.

Fabian Haack aus „Krieg oder Frieden?" Annemarie Häußer 1998

 

Die jüngere Jungsteinzeit (4.500 - 3.000 v. Chr.)

Die Erschließung neuer Siedlungsräume durch die ältesten mitteleuropäischen Bauernkulturen erlahmte Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr.. Die Siedlungsdichte nahm zu.

Der innere Zusammenhalt der Bauernkulturen in der Tradition der bandkeramischen Kultur lockerte sich, so dass sich die Menschen unserer Region aus ihren bisher vornehmlich östlichen Kulturverbindungen lösten und vermehrt Kontakte mit den Bauernkulturen Ost- und Zentralfrankreichs und der Schweiz eingingen. Somit kehrte die Pfalz wieder zu der in vielen Jahrtausenden der vorgeschichtlichen Epoche bestehenden kulturellen Westorientierung zurück.

Es entstanden die ersten geschlossenen Dörfer mit kleineren Häusern als in der Bandkeramik. Die Bauern des 4. Jahrtausends führten ein Leben am Rande des Existenzminimums, bei harten und langen Arbeitstagen. Eine Besserung war nicht in Sicht, weil die Arbeitskapazitäten zur Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche fehlten.

Die jungsteinzeitlichen Bauern waren so gut wie reine Selbstversorger. Nur der für viele Werkzeuge benötigte Feuerstein musste von außen, oft von weit her bezogen werden.

Dr. Lothar Sperber, Hist. Museum der Pfalz, Speyer

Die Frühbronzezeit (2.200 - 1.550 v. Chr.) Das Metall revolutioniert die Landwirtschaft

Eine der bahnbrechendsten Entdeckungen der Menschheit war die des Metalls.

Obwohl das Kupfer im nördlichen Voralpenland seit etwa 3.700 v. Chr. bekannt war, konnte sich in Mittel- und Westeuropa das Metall gegenüber dem Werkstoff Stein erst ab etwa 2.000 v. Chr. durchsetzen.

Jedoch wurde das Metall noch nicht umfassend genutzt, nur für Prestigeobjekte (Waffen, Würdezeichen, Schmuck) und für Beile und Dechsel.

Bei Beilen und Dechseln kamen die Vorzüge des Metalls am entschiedensten zum Tragen. Die zum Fällen der Bäume für die Gewinnung zusätzlichen Ackerlands benötigte Zeit wurde mindestens halbiert. Die bäuerliche Arbeit wurde erheblich erleichtert. Die frei werdende Zeit floss in intensivere Feldbearbeitung und Flurpflege, in die Ausweitung des Ackerlandes und erstmals in das Offenhalten von Wiesenflächen.

Die landwirtschaftlichen Erträge stiegen.

Erstmals bildete sich mit dem Metallproduzenten und –Handwerker ein professioneller Berufsstand. Die höheren landwirtschaftlichen Erträge durch die Bronzewerkzeuge lieferte die Nahrungsbasis für diese „Freistellung" von der bäuerlichen Tätigkeit.

Das Ackerland wurde in der Jungsteinzeit und Frühbronzezeit nur einige Jahrzehnte genutzt und dann wieder der Natur, d. h. dem Wald überlassen.

Dr. Lothar Sperber, Hist. Museum der Pfalz, Speyer

 

Landwirtschaft in der Mittel- und Spätbronzezeit (1.550 – 800 v. Chr.) Anfänge keltischen Volkstums

An die Stelle der jungsteinzeitlichen und auch noch frühbronzezeitlichen „Wechsellandwirtschaft" mit relativ kurzfristiger, nur einige Jahrzehnte langer Nutzung der Ackerflächen, trat die ortsfeste offene Acker- und Wiesenflur, die dauernd gehölzfrei gehalten wurde.

Die dem Naturhaushalt noch untergeordnete Landnutzung war der reinen Kulturlandschaft gewichen (bei der es fortan blieb, mit immer weiterer Zurückdrängung des Waldes, die im Mittelalter ihren Höhepunkt erreichte).

Die Bevölkerung wuchs, ihr Lebensraum wurde enger. Der Platz für die bisherigen „rotierenden" Flur- und Siedlungsverlagerungen innerhalb eines bestimmten Territoriums war nicht mehr gegeben.

Das Eigentum der einzelnen Familie am Land gewann wachsende Bedeutung und bestimmte den sozialen Rang.

Es bildete sich eine egalitäre Herrenschicht mit angestammten, über Generationen vererbtem Vorrang und Besitz, die das Land weitgehend unter sich aufgeteilt hatten.

Wirtschaftliche und soziale Grundzellen waren große Hofterritorien und ihre Bewohnerschaft, bestehend aus dem Herrn des Hofes und seiner Familie, den Familien seiner Sippe und möglicherweise noch Gefolgsleuten, Lehnsbauern und sonstigen freien oder unfreien Arbeitskräften. Diese hatten eine Größe von etwa 2,5 bis 3 Kilometer Durchmesser.

Dr. Lothar Sperber, Hist. Museum der Pfalz, Speyer

 

Die Eisenzeit (800 – 250 v. Chr.) Der Aufstieg der keltischen Welt

Die Ablösung der Bronze als Werkstoff für Werkzeuge und Waffen durch das Eisen hatte längst nicht die breite kulturelle Auswirkung wie die Einführung der Bronze, mit der die Etablierung des Metalls überhaupt erfolgte.

Das Eisen war nicht etwa besserer Werkstoffeigenschaften wegen eingeführt worden, sondern auf Grund der Verknappung der Rohstoffe zur Herstellung des Kupfers.

Der Niedergang der Kupferförderung bedeutete um 900 v. Chr. den Zusammenbruch des großen Metallversorgungskreislaufs.

Um 850 v. Chr. entstanden in Mitteleuropa die ersten eisernen Waffen und Werkzeuge. Um 700 v. Chr. hatte das Eisen die Bronze als Werkstoff völlig verdrängt.

Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. geriet die keltische Welt immer mehr in den Sog des Südens, vor allem Italiens, aus dem sie sich fortan nicht mehr lösen konnte (bis sie schließlich im Römischen Reich aufging). Keltische „Gastarbeiter" wanderten in den Süden, griechische und etruskische Händler in den Norden. Die Kelten übernahmen mediterranes Know-how und lernten neue Lebensmittel (Wein, Feigen, Olivenöl) und neue Haustiere (das Huhn) kennen.

Dr. Lothar Sperber, Hist. Museum der Pfalz, Speyer

 

Die ersten Städte Mitteleuropas (250 – 10 v. Chr.) Die keltische Oppidia-Zivilisation

Die römische Macht drängte etwa um 260 v. Chr. die ausgewanderten Kelten wieder in ihre mittel- und westeuropäischen Heimatgebiete zurück.

Die Rückkehrer waren aufs engste mit der Zivilisation des Mittelmeerraumes in Berührung gekommen, was die Lebensumstände auch in unserer Region beeinflusste.

Es entstanden die ersten Städte (Oppidia), zentrale Marktorte, Warenumschlagplätze und gewerbliche Produktionszentren.

Das Jahrtausende alte Prinzip weitgehender Selbstversorgung des einzelnen Haushaltes in einer rein bäuerlichen Gesellschaft war der städtisch geprägten, marktorientierten Wirtschaft gewichen.

Die Bauern lebten auf dem flachen Land, in Dörfern, Weilern oder Einzelgehöften. Wichtige Gebrauchsgüter, wie Keramik, Werkzeuge, Wagen etc. bezogen sie jetzt oft von den Handwerkern der Oppidia auf der Basis einer voll ausgebildeten Geldwirtschaft.

Dr. Lothar Sperber, Hist. Museum der Pfalz, Speyer

 

Landwirtschaft in der Römerzeit

Die Mehrheit der Bevölkerung im römischen Reich war in der Landwirtschaft tätig. Wohlstand drückte sich in erster Linie durch Grundbesitz aus. Wegen des Verbots wirtschaftlicher Betätigung wurde die römische Oberschicht zwangsläufig auf Landbesitz und Landwirtschaft verwiesen.

Bis zur römischen Besetzung hatten Bevölkerungszunahme und verbesserte Landwirtschaftstechnik zu einer kräftigen Ausweitung der Anbaufläche geführt.

Neben dem Ackerbau und Weinbau wurden auch die Wiesen zur Futtergewinnung für die Zugtiere genutzt.

Je nach Bodenqualität gab es verschieden große Gutshöfe (villae rusticae), die gerne an den Grenzen zwischen feuchten und trockenen Ökotopen lagen.

Die vorwiegen angebaute Getreideart (70 – 90 %) war Dinkel. Ihm folgten Emmer und in geringem Umfang Einkorn und Roggen. An Ölfrüchten sind Lein, Leindotter und Mohn, an Hülsenfrüchten Erbsen, Linsen und Ackerbohnen belegt. Erstaunlich ist die Vielfalt an Gemüse- und Salatpflanzen, wie etwa Garten-Melde, Sauerampfer, Möhren, Pastinak und Feldsalat.

Nicht von heimischen Wäldern stammende, sondern kultivierte Obstsorten waren Zwetschgen, Pflaumen, Pfirsiche, Süß- und Sauerkirschen sowie Walnüsse. Besonders hervorzuheben sind die verschiedenen Rebsorten, die – neben Abkömmlingen der Wildrebe (vitis silvestris), die schon seit Jahrtausenden in den Auwäldern am Rhein heimisch waren, als importierte Kulturreben anzusehen sind. (Sorten: Riesling, Traminer, Burgunder, Elbling, Gänsfüßer).

Eiserne Pflugscharen der verschiedensten Sorten, Hacken und Spaten dienten der Bodenbearbeitung. Zum Schneiden von Gras und Getreide sind Sicheln und Sensen belegt. Außerdem hatten die Römer bereits Getreideerntemaschinen, besser zu bezeichnen als Ährenrupfmaschinen. Die Mähmschine (vallus) war eine Art Frontmäher, an den Zugtiere angespannt wurden.

Spezielle Messer dienten für Arbeiten an Obstkulturen und im Weinberg.

Otto Roller aus „Die Römer in Rheinland-Pfalz" Dr. Heinz Cüppers, 1990

 

Viehzucht in der Römerzeit

Bei der Viehzucht stand das Rind an erster Stelle, wobei vor allem die Arbeitsleistung und Fleischgewinnung bezweckt wurde.

Für diesen Zweck waren die einheimischen, prähistorischen Rinderrassen geeignet, die seit dem Beginne der Haustierhaltung im Neolithikum ständig an Größe abnahmen.

An zweiter Stelle der römischen Viehzucht stand das Schwein. Die Herden wurden häufig im Wald gehalten.

Außerdem gab es noch vereinzelte Schafzucht, Hühnerhaltung sowie die Haltung von Gänsen, Enten und Tauben.

Otto Roller aus „Die Römer in Rheinland-Pfalz" Dr. Heinz Cüppers, 1990

 

Landwirtschaft in Mittelalter und Neuzeit

Das Leben im Dorf war ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt. Die Erträge von Feld, Wald und Wiesen dienten nur mühsam zur Deckung des Lebensbedarfs, Überschüsse wurden nur wenig erzielt.

So gesehen war das Dorf eine kleine Welt, die aus sich heraus alles erzeugte, was für den Daseinserhalt notwendig war.

Vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit änderten sich die bäuerlichen Verhältnisse kaum. Entscheidende Umwälzungen brachte erst das 18. Jahrhundert, wo kurz vor bzw. in der Französischen Revolution die alten Verhältnisse abgelöst wurden.

In der Dorfmark wohnten Freie und Hörige, die teilweise verschiedene Grundherren hatten, aber Bauern waren eigentlich alle. Sie bauten eigenes Land und Leihbesitz zu gleicher Zeit.

Aus Heimatbuch Hochstadt 1984 Gerd Pressler

 

Geteilte und ungeteilte Feldmark

Die Gemarkung war im Mittelalter rechtlich und wirtschaftlich zweigeteilt, es gab die „geteilte Feldmark" und die „ungeteilte Feldmark".

Unter der geteilten Feldmark verstand man das Ackerland, da die Nutzung der Äcker auf die einzelnen Höfe aufgeteilt war. Ursprünglich war jede Flur oder Gewanne in so viele Grundstücke eingeteilt, wie Bauernhöfe im Dorf waren; jeder Bauer hatte also in jeder Gewanne sein Stück Land.

Die Größe der Äcker war aber auch damals schon verschieden, es gab ärmere und reichere Bauern. Die Grundherren hatten aber wohl die besten Stücke.

Der größte Gemarkungsteil war jedoch die ungeteilte Feldmark, auch Allmende genannt.

Dazu gehörten der Wald, Teile der Wiesen, die Wege und das Wasser. An diesem ungeteilten Besitz war zur Nutzung jeder berechtigt, der einen „eigenen Rauch" hatte, das heißt, wer eine eigene Feuerstätte besaß.

Das galt sowohl für die Höfe von Hörigen, als auch für die Höfe von Freien.

Aus Heimatbuch Hochstadt 1984 Gerd Pressler

 

Die Dreifelderwirtschaft

Die Landwirtschaft des Mittelalters beruhte hauptsächlich auf zwei Wirtschaftszweigen, dem Ackerbau und der Viehzucht. Zunehmender Bevölkerungsdruck führte zu intensiver Landbearbeitung.

Aus diese Notwendigkeit heraus entwickelte sich die Dreifelderwirtschaft. Die einzelnen Gewannen, oft mehrere zusammen, wurden in einem anwechselnden Rhythmus bebaut.

Im ersten Jahr wurde Wintergetreide angebaut, im zweiten Jahr Sommergetreide und im dritten Jahr blieben diese Äcker dann brach liegen, damit sich die Böden erholen konnten.

Für das Bearbeiten der einzelnen Flurstücke bestand Flurzwang, das heißt, alle anfallenden Arbeiten mussten zur gleichen Zeit angegangen werden: das Pflügen, das Säen und das Ernten. Dieser Ordnung konnte sich niemand widersetzen.

Dieser Flurzwang war auch damit begründet, dass ein Nachbar dem anderen, beispielsweise durch Überfahren der Äcker, keinen Flurschaden zufügen konnte, und auch der Diebstahl war leichter zu verhindern.

Der Flurzwang galt auch damals schon für die Weinberge, die aber nicht zu den normalen Gewannen zählten und an einer Stelle der Gemarkung zusammengefasst, jeweils durch einen Zaun von der übrigen Flur ausgenommen.

Die Arbeiten in den Weinbergen, so auch die Weinlese, durfte – wie heute noch – wenn auch aus anderen Gründen – erst zu einer bestimmten Zeit beginnen.

Wer Sonderkulturen anlegte, musste diese einzäunen und sie damit von der Feldflur ausnehmen. Damit entzog er sie der allgemeinen Nutzung (z. B. als Weide) und musste dafür der Gemeinde ein geringes Entgelt bezahlen.

Auf einigen gemeindeeigenen Äckern und an den Feldwegen standen vielerlei Obstbäume. Sie wurden meistbietend versteigert, wobei die Früchte nur den Dorfbewohneren zustanden.

Mit der allmählichen Einführung der Stallfütterung in der Mitte des 18. Jahrhunderts und durch die Abschaffung der Dreifelderwirtschaft, wurde der alten Dorfmarkgenossenschaft die Grundlage entzogen.

Die Bevorzugung der Markgenossen gegenüber den Armen wurde durch die Französische Revolution eingestellt. Damit entstand die politische Gemeinde von heute.

Aus Heimatbuch Hochstadt 1984 Gerd Pressler

 

Weiderecht und Hirten

In der Viehzucht des Mittelalters war die Stallhaltung von Kühen und Schweinen, wahrscheinlich sogar von Federvieh, weitgehend unbekannt. Lediglich in strengen Wintertagen und immer zur Abendzeit kam das Vieh von der Weide heim ins Dorf.

Das Weiderecht des Viehs der Dorfbewohner (nur die mit Haus, Hof und Grundbesitz) erstreckte sich auf die ganze Gemarkung, ausgenommen die eingezäunten Grundstücke (daher auch der Zaun um die Weinberge), das mit Getreide eingesäte Land und die Wiesen vor der Heuernte.

War die Getreide- und Heuernte eingebracht, dienten diese Flächen als ungeteilte Weide zur sogenannten Stoppelweide.

Meist wurde die Weide folgendermaßen eingeteilt: Die Frühjahrsweide begann auf den Wiesen, anschließend kam der Wald an die Reihe. Bis Johanni kam das Vieh auf die Brachweide, dann wieder in den Wald. Nach der Ernte folgte die Stoppelweide und dann die Herbstweide auf den Wiesen.

Die Tiere wurden über Winter oft so schwach, dass sie im Frühjahr nicht mehr aufstehen konnten. Dieses „Schwanzvieh" wurde mit dem Schwanz auf eine Schleife (=Schlitten) gezogen und damit zur Weide gebracht.

Alle Dorfmarkgenossen mussten ihr Vieh gemeinsam auf die Weide treiben. Das Einzelhüten, auch Strickhüten genannt, war streng verboten. Die Gemeinde musste deshalb einen Hirten anstellen (Kuhhirt und Schweinehirt). Der Kuhirt zog bei Tagesbeginn durch das Dorf und gab ein Hornsignal, worauf ihm aus allen Höfen die Tiere folgten, die er dann zum Weideplatz führte.

Für ihre Dienstleistungen standen den Dorfhirten von jedem Gemeindemitglied ein Lohn zu, der meist in Naturalien bezahlt wurde. An bestimmten Tagen zogen sie durchs Dorf und sammelten in einem Sack ihren Lohn, die Pfründe, ein. Damit sie gerecht entlohnt wurden, begleitete sie ein Dorfmeister.

In einigen Dörfern gab es zwei Schweinehirten, den Ackerschweinehirten und den Waldschweinehirten, die verschiedene Schweineherden führten. Der Waldschweinehirt die Tiere, die zur Mast bestimmt waren, der Ackerschweinehirt die Muttersauen und den Eber. Die Mastgerechtigkeit bezog sich hauptsächlich auf den Wald, wo im Spätjahr die Eicheln und Bucheckern zur Schweinemast dienten. Da die Mastjahre verschieden ausfielen, musste die Anzahl der Tiere, je nach Menge der Waldfrüchte, begrenzt werden. Die Waldfrüchte wurden damals auch mit „Äckerich" bezeichnet, was sich von Eckern (z. B. Bucheckern) ableitet.

Die Gemeinde bestimmte, wie viele Tiere hinaus durften. Dazu wurde vorher durch Dorfmeister, Schultheiß und Amtmann die Ertragslage eingeschätzt.

War die Anzahl der Schweine festgelegt, wurden die Tiere gebrannt, d. h. mit einem glühenden Eisen gekennzeichnet. Nur die gebrannten Schweine durften mit auf die Weide getrieben werden.

Auch die Schafhaltung war in den meisten Dörfern, vor allem wegen der Wolle, eine wichtige Lebensgrundlage. Die Schafweide wurde meistens nur einem Halter übergeben, der das alleinige Recht hatte, auf der jeweiligen Flur eine Herde zu unterhalten.

Nach der französischen Revolution vergab die Gemeinde dann die Schafweidepacht meist an fremde Herdenbesitzer.

Aus Heimatbuch Hochstadt 1984 Gerd Pressler

 

Die Geschichte des Tabakanbaus in der Pfalz

Um 1573, so vermutet man, züchtete der Hatzenbühler Pfarrer Anselmann in seinem Kräutergarten erstmals in Deutschland eine Pflanze aus der „Neuen Welt", die dort als „tobacco" bekannt war.

Der Tabak als Heilpflanze

Zu dieser Zeit war die Tabakpflanze aus der Karibik in Europa schon als Heilpflanze berühmt. Der legendäre Ruf des Tabaks ging vom französischen Hofe aus, wo sein eifriger Verfechter Jean Nicot bereits fünfzig Jahre früher das rosa blühende Gewächs auch als Zierpflanze in den Gärten und Parks der höheren Gesellschaft eingeführt hatte. Dem Sud aus den Blättern der „Nicotiana tabacum" wurde wahre Wunderwirkung zugeschrieben, bei Gicht und Krätze hoffte man auf Heilung, Schutz vor Lausbefall und gar vor Pest sagte man ihr nach.

Der Tabak als Genussmittel

Erst eingangs des 17. Jahrhunderts brachten englische Edelmänner, allen voran Sir Walter Raleigh, das Rauchen der Tabakblätter in Mode. Diese skurril anmutende Art des Tabakkonsums verwirrte zunächst die Zeitgenossen. Doch nach dem Vorbild der Edelmänner verbreiteten sich Pfeife und Zigarre über deren Armeen rasch in Europa.

Ihre Wegbereiter waren vor allem englische Söldner, die auf dem Kontinent angeheuert wurden. Die Nachfrage nach dem Genussmittel steigerte sich in den Tagen des Dreißigjährigen Krieges, als die zahlreichen in der Pfalz lagernden Truppen neben Nahrung auch mit Tabak versorgt sein wollten.

Der Tabak in der Landwirtschaft

Der verstärkte Anbau der Pflanze entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Faktor in der Pfalz. Das Hauptanbaugebiet erstreckte sich in der Rheinebene von Speyer bis hin zum Elsass.

Die Vorliebe der Soldaten für den Rauchgenuss führte während der Kriege des folgenden Jahrhunderts zu einem Tabakboom in der Landwirtschaft.

So erlebte der Tabakanbau während des englisch-französischen Seekrieges im späten 18. Jahrhundert einen enormen Aufschwung, der sich bis Ende des 19. Jahrhunderts fortsetzte. Die Kultivierung der Tabakpflanze beeinflusste nicht nur die kurpfälzische Wirtschaft, die in Mannheim ein Handelszentrum für Tabak hatte, sondern auch das alltägliche Ortsbild der Dörfer in den Anbaugebieten.

Der Tabak nach der Ernte

Die Herstellung der Rauchware aus den gepflückten Blättern war zunächst wie bei anderen landwirtschaftlichen Produkten stark vom Wetter abhängig. Nach dem Einbringen der Ernte war deren gleichmäßige Trocknung für die Qualität von großer Bedeutung.

Die frühen Tabakbauern reihten die Blätter an Gartenzäunen auf oder befestigten sie mit Nägeln an ihren Fachwerkhäusern und überließen das Erntegut der Sonne und dem Wind.

Nach schlechten Sommern erhielt man jedoch nur einen geringen und qualitativ niedrigen Ertrag, so dass die Bauern mit dem Bau spezieller Trockenschuppen begannen.

Tabakschuppen als architektonische Besonderheit

Die am Vorbild herkömmlicher Scheunen orientierten Gebäude waren höher als die Wohnhäuser und säumten mit steigender Zahl die feldzugewandte Seite des Ortes. In ihrem Innern wurde ein Gestänge aus geschälten Fichtenstämmen befestigt, an denen die Bandelieren, die etwa ein Meter langen Schnüre mit bis zu 40 Tabakblättern, aufgehängt wurden.

Die ersten Schuppen waren einfach mit rohen Brettern verkleidet, die in einigem Abstand aufgenagelt wurden. Der Luftzug, der durch die Ritzen zwischen den Bohlen drang, sorgte für eine schnellere Trocknung der an den Schnüren aufgehängten Blättern.

Der damalige Tabakexperte Philipp Schwab erprobte klappbare Lamellen in den Fassaden, mittels derer man die Lüftung regulieren und das Erntegut gleichmäßiger trocknen konnte. Im Auftrag des Prinzregenten Luitpold erbauter er in Harthausen einen Musterschuppen, der die Bauern zur baulichen Nachahmung anregen sollte.

Schließlich waren um 1880 pro Saison 200.000 Pflanzer in der Massenproduktion von Tabak beschäftigt und die Tabakgewinnung war zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor geworden.

Der Niedergang der pfälzischen Tabakwirtschaft

Mit dem zunehmenden weltweiten Handel begannen billigere Importtabake auf den heimischen Markt zu drängen. Die pfälzische Tabakwirtschaft schrumpfte und die Zahl der Tabakbauern nahm von nun an kontinuierlich ab.

Die beiden Weltkriege und die handelspolitische Isolation Deutschlands in diesen Zeiten verhalfen der pfälzischen Tabakwirtschaft auf tragische Weise nochmals zu einem Aufschwung. Wieder galt es Soldaten mit der begehrten Ware zu versorgen.

Die Hoffnung auf eine weiter ansteigende Tabakkonjunktur nach dem Zweiten Weltkrieg endete 1960.

Die "Blauschimmelkatastrophe" vernichtete einen Großteil der Ernte des Jahres und viele Bauern gaben nun endgültig ihren Tabakbetrieb zu Gunsten eines Arbeitsplatzes in der Industrie auf.

Bis heute wird noch von etwa 500 Betrieben mit 3.000 Saisonarbeitern Tabak angebaut, so dass man mancherorts im Juli Felder mit der rosa blühenden Pflanze antrifft. Wie früher werden die Blätter von Hand gepflückt, zu Bandelieren vernäht und mit akrobatischem Geschick eingebracht.

Aus Heike Werner Die Geschichte des Tabakanbaus in der Pfalz